Logo_Sponsor_230_zli

Erfahrungsbericht ZLI

Im Büro von Barbara Jasch im Zürcher Lehrbetriebsverband ICT (ZLI) in Winterthur sitzen zwei angehende Mediamatiker vor mir. Das Berufsbild des Mediamatikers existiert seit gut 20 Jahren, in der heutigen Form jedoch erst seit 2011. Shannon Bodmer und Lars Ziegler haben beide im August ihre Ausbildung im ZLI begonnen. Sie haben ihren Lehrvertrag hier unterzeichnet und werden nächstes Jahr in eine Partnerfirma wechseln. Die beiden sind stolz, dass sie die Lehre im ZLI beginnen können, denn die Lehrstellen sind rar und die Anforderungen an Mediamatiker (und Informatiker) sehr hoch: Ein Sek-A-Abschluss, eine gute Einstufung im Multicheck und sehr gute sprachliche und mathematische Leistungen. Zusätzlich sind berufsspezifische Kompetenzen gefragt: sehr gutes Abstraktionsvermögen, Teamfähigkeit, Kreativität, Sozialkompetenz, Freude an Technik und analytischem Denken, Interesse am Fachgebiet, am Entwickeln von Lösungen und ein Auge für Ästhetik. Der Beruf des Mediamatikers ist sehr vielseitig. Er kombiniert technische, gestalterische und konzeptionelle Kompetenzen. Die Mediamatiker lernen, professionell mit Programmen wie Photoshop, Premiere und Office umzugehen. Ausserdem erlernen sie das Programmieren und den Einsatz von Grafikhilfsmitteln. Sie lernen professionelles Gestalten, Fotografieren und Filmen. Ihre Kompetenzen erarbeiten die Lernenden auf Mac und Windows, um später überall einsetzbar zu sein. Dank dieser Vielfältigkeit in der Ausbildung kann der Mediamatiker auch umso vielfältigere Aufgaben im Betrieb übernehmen.

DSC_0144

Shannon in ihrem Element.

DSC_0148

Lars übt seine Fertigkeiten am Graphiktablet.

Für Shannon muss eine Mediamatikerin auch ein bisschen „Fan“ ihres Berufsfeldes sein. „Man muss wissen wollen, wie die Dinge funktionieren, und sich auch ausserhalb des Lehrbetriebs über die Thematik informieren“. Sie selbst liest in ihrer Freizeit Fachzeitschriften oder informiert sich übers Web. Neugierde, Motivation und Freude am erlernen von neuen Fähigkeiten seien entscheidend im dynamischen Arbeitsfeld des Mediamatikers. Shannon und Lars wollten beide ursprünglich ins KV, merkten beim Schnuppern aber schnell, dass ihnen dort einiges fehlen würde. Shannon stiess an der Berufsmesse in Oerlikon auf einen Stand des ZLI, Lars hörte in der Berufsberatung vom Lehrgang Mediamatik.

Eines betont Barabara Jasch während unseres Gesprächs immer wieder: der ZLI ist im Basislehrjahr ein Betrieb, keine Schule! Der ZLI bietet in Winterthur mehrere Bildungswege an. Einer von ihnen ist das Basislehrjahr. Im Basislehrjahr werden junge angehende Informatiker und Mediamatiker in den Grundkenntnissen des Berufs ausgebildet. Der Vorteil: die Unternehmen können trotz fehlenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen eine gute Ausbildung ihrer Lehrlinge gewährleisten. Konkret heisst das, dass der Firma ein Grossteil der Arbeit abgenommen wird und dass die Lernenden, die nach dem Basislehrjahr im Betrieb einsteigen, sofort und aktiv mitarbeiten können. Für das Basislehrjahr gibt es drei Varianten: Entweder werden die Lernenden vom ZLI angestellt und nach dem Basislehrjahr in eine der Partnerfirmen übermittelt, oder die Firmen selbst schicken die Lernenden ins Basislehrjahr. Die dritte Möglichkeit ist, dass der Lernende mit dem ZLI einen Lehrvertrag abschliesst und ab dem zweiten Lehrjahr auf Praktikumsbasis in Partnerfirmen arbeitet.
In der 1. Phase des Basislehrjahrs erarbeitet der Lernende die Grundlagen der Tätigkeit, in der 2. Phase beschäftigt er sich mit den Fachmodulen und in der 3. Phase kann er ein Abschlussprojekt durchführen. Natürlich unterscheiden sich die Informatik- und die Mediatmatiklehre stark, doch der Aufbau im Basislehrjahr ist ähnlich.

DSC_0157

Herzlich willkommen im ZLI!

Shannon und Lars gefällt es sehr gut im Lehrbetrieb. Während der Zeit im Basislehrjahr stellen sie sich durch ihre Arbeiten und Projekte ein eigenes Portfolio zusammen, das für den Platzierungsprozess in die Partnerfirmen benutzt wird. Dann können sie sich dort vorstellen, schnuppern und erhalten ein Feedback. Letzteres können sie bei den Partnerfirmen auch selbst anbringen, denn es sei wichtig, dass jeder Lehrling „das geeignete Plätzchen findet“, erklärt Barbara Jasch. Barbara ist sehr stolz auf ihren Betrieb, in dem sie seit 15 Jahren tätig ist und seit 4 Jahren auch leitet. Ihr Coachingteam mit Leuten aus verschiedensten Disziplinen mache sie sehr stolz. Das Berufsbild zu stärken, das sei ihr wichtig. Das Berufsbild der Informatiker und Mediamatiker ist für sie noch immer von vielen Klischees belastet. Schuld, wenn etwas nicht funktioniert und sonst ein reiner Kostenfaktor, das sei leider noch immer ein geläufiges Bild des Informatikers.
Den Mediamatikern ergeht es da nicht besser. „Immer wieder müssen wir erklären, dass wir imfall nicht im Mediamarkt arbeiten“, sagt Shannon und lacht. Ungläubig frage ich nach, ob sie das wirklich zu hören bekommen. „Ja“, pflichtet auch der Berufsbildner bei, „leider viel öfter, als man meinen würde. Ausserdem denken viele, dass sie bereits als Mediamatiker arbeiten können, wenn sie in der Freizeit Bilder mit Photoshop aufmöbeln. Aber ein Mediamatiker kann viel mehr.“

DSC_0147

Praktische Aufträge als Lernobjekte: Wandtafel im ZLI.

Den Lernenden machen diese Vorurteile herzlich wenig aus. Konzentriert und fröhlich sitzen sie zusammen vor den Computern im ZLI. An den Wänden hängen Ausdrucke von Projekten, Steckbriefe der Lernenden und ein Whiteboard mit Zahlen und Skizzen. Es dienen also praktische Aufträge als Lernobjekte. Im Moment sind es 16 Mediamatiker, die im ZLI ausgebildet werden. Es sei „uh lässig“, sagt Shannon. Sie geht gerne zur Arbeit. Dafür nimmt sie auch den mehr als einstündigen Arbeitsweg in Kauf, ebenso Lars. Als ich die beiden nach ihrem Lieblingsmittagessen frage, schauen sie sich an und sagen beinahe gleichzeitig: Mac! Doch Lars präzisiert dann doch: Montag ist Manta-Tag (ein Resti in der Nähe), Dienstag ist Take Day (also Take-Away Tag), am Mittwoch Mitnehwoch (also Mitgebrachtes von zu Hause), am Donnerstag ist Dönserstag (es gibt also Döner) und am Freitag Fries Day (ein bisschen Mac in der Woche muss sein). So ist das Mittagessen zum gemeinsamen Ritual geworden und die angehenden Mediamatiker beweisen, dass sie die wichtigsten Fähigkeiten für ihren Beruf mitbringen: Kreativität und Sozialkompetenz.

Was macht eigentlich ein Mediamatiker?