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Erfahrungsbericht Stadt Zürich

Sinnstiftend ist das Wort, welches am meisten fällt in meinem Gespräch mit Stefan Bryner. Er ist Leiter der HR-Abteilung der OIZ, also der Organisation und Informatik der Stadt Zürich. Moment, Stadtverwaltung? Das klingt mehr nach grauen Aktenschränken als nach sinnstiftender Arbeit. Stefan Bryner lacht. „Zürich ist eine der attraktivsten Städte der Welt. Wir in der OIZ leisten unseren Beitrag dazu, indem wir dafür sorgen, dass alles funktioniert.“ Denn die IT findet man in der Stadt Zürich überall, in jedem Lebensbereich. „Von der Wiege bis zur Bahre“, wie es Stefan Bryner ausdrückt. Er hat Recht. Vom Spital, in dem wir geboren werden über die Schulen, die wir durchlaufen, von den Ampeln, die wir täglich passieren über die Trams und Busse, in denen wir sitzen und die Polizeiarbeit, die geleistet wird – bis hin zu Hochzeiten und Beerdigungen. All dies funktioniert Tag für Tag dank IT. Auf dem Arbeitsmarkt hat die Stadtverwaltung übrigens nicht den Ruf von grauen Aktenschränken. Selbst schwierige Positionen könnten sie ohne Probleme besetzen, erzählt Stefan. Die Aussicht, tagtäglich so nah am Puls des Lebens von Hunderttausenden Zürchen zu arbeiten, ziehe viele Menschen an.

In der Zürcher Informatik werden tagtäglich Unmengen an Daten generiert, zumeist hochsensible aus Spitälern, Polizeiakten oder der Politik. Alle diese Daten befinden sich auf Servern in einem der modernsten Rechenzentren Europas. Es ist „mit speziellen Massnahmen gegen Einbruch, Hochwasser, Erdbeben, Sabotage und Terror geschützt“. (Welche Massnahmen das sind, darf natürlich nicht gesagt werden.) Oder wie Stefan Bryner es ausdrückt: „Da geht nichts Unbefugtes rein oder raus“. Nur ganz wenige Personen haben Zutritt. Sie müssen sich jährlichen Gesundheitschecks, einer Integritätsprüfung und beim Betreten mehreren Sicherheitsstufen mit Biometrie-Erkennung unterziehen. Zuvor stand das RZ im Sihlhochwassergebiet. Aufgrund dieser Gefahr und der Zusammenführung der Daten aus allen Departementen entschloss man sich, zwei neue Rechenzentren mit höchsten Sicherheitsstandards zu bauen – eines im Hagenholz und eines in Albisrieden. Es versprüht ein wenig James-Bond-Charme in der Stadt Zürich.

Kaltgang Albis Türe Gelb

Einen Blick ins Rechenzentrum der Stadt Zürich. Es ist eines der modernsten in ganz Europa.

Als Teil der Stadtverwaltung untersteht die OIZ der Stadtregierung. Die Politik gibt die Rahmenbedingungen vor, wer eingestellt wird, entscheidet die OIZ. Werden jedoch zum Beispiel neue Stellen benötigt, müssen das Stadt- und Gemeinderat absegnen. Das sei aber kein grosser Unterscheid zu anderen Unternehmen, die Politik lasse sich gut mit der Konzernleitung oder dem Verwaltungsrat in privatwirtschaftlichen Unternehmen vergleichen. Die Arbeitsbedingungen in der gesamten Stadt Zürich sind bewusst familienfreundlich. Teilzeitarbeitende werden unterstützt, in der OIZ sind es 65 Arbeitnehmer von 380, die kein Vollzeitpensum haben. „In der IT kann es auch sein, dass mal ausserhalb der Bürozeiten gearbeitet werden muss, zum Beispiel an einem Wahlwochenende“, erklärt Stefan Bryner. Diese Zeit kann aber wieder kompensiert werden. Und das kommt auch der Familie zugute.

Nun ist die Stadt Zürich nicht nur Arbeitgeber, sondern sie bildet auch aus. Lehrgänge in den Fachrichtungen Applikationsentwicklung, Support, Betriebsinformatik und Systemtechnik werden angeboten. Drei dieser Fachrichtungen werden heute von Larissa, angehende Applikationsentwicklerin, Alex, angehender Systemtechniker und Patrick, angehender Supporter repräsentiert. In einer Reihe sitzen sie an dem riesigen Sitzungstisch. Sie lachen und scherzen miteinander, die Stimmung ist entspannt. Larissa ist durch ihr Hobby „Zocken“ und durch ihr Interesse an Web-Entwicklung auf ihren zukünftigen Beruf gestossen. Sie antwortet sehr präzise und ohne lange nachzudenken. Fragen von Kunden oder auch Freunden, die sich nicht an ihre Fachrichtung wenden, nerven sie. Schliesslich kennt sich nicht jeder Informatiker mit Hardware aus und nicht jeder kann Java programmieren. Für Alex, dessen ganze Familie (vom Grosspapi bis zum Bruder) in der Informatik arbeitet, sei schnell klar gewesen, welchen Job er wählen will.

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Die drei Lernenden in der Lehrwerkstatt.

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Die drei Lernenden im Serverraum der Lehrwerkstatt.

Im 1. Lehrjahr werden den Lernenden 6 Monate lang in der Lernwerkstatt die Grundlagen der Informatik vermittelt und Methoden zum Umgang mit Pendenzen, Aufträgen und Zeitmanagement. Anschliessend wechseln die Lernenden alle 6 Monate die Dienstabteilung, mit Ausnahme der Applikationsentwickler, die stark projektorientiert arbeiten. Dank diesen Wechseln wird Vielseitigkeit und eine grosse Bandbreite an Lernerfahrung garantiert. Polizei, Spital, Verkehr, Hoch- und Tiefbau, Entsorgung und Recycling – überall ist die Informatik ein wichtiger Bestandteil und sorgt dafür, dass in der Stadt alles rund läuft. Die Lernenden erhalten vielseitige Einblicke und können nach Abschluss der Lehre ein sehr breites Wissen vorweisen. Wenn sie gute Leistungen erbringen, können die Lernenden auch Verantwortung übernehmen und an grossen Projekten mitwirken.

Die vielseitige Ausbildung bringt auch viele Herausforderungen mit sich. Um die Menge an Informationen bewältigen zu können, habe er sich eine Wissensdatenbank angelegt, erzählt Patrick. Er arbeitet im Gesundheits- und Umweltdepartement im Bereich Pflege. Der angehende Supporter hat es täglich mit vergessenen Passwörtern und nicht funktionierenden Geräten zu tun. Von Zeit zu Zeit passiert es auch, dass ein Gerät ohne erfindlichen Grund einfach nicht funktioniert. Alex gibt als grösste Herausforderung unerwartete Probleme an, also Fragestellungen, die über das Fachgebiet des Systemtechnikers hinausgehen. Larissa findet den Datenaustausch zwischen Systemen anspruchsvoll, zum Beispiel wenn Informationen von einer Datenbank zur anderen transportiert werden müssen.

Wer bei der OIZ arbeiten will, muss ihrer Meinung nach ehrlich und offen sein, Freude am Lernen und Teamfähigkeit haben. Dem schliesst sich Stefan Bryner an. Seine Mitarbeitenden müssen engagiert und begeisterungsfähig, fachlich kompetent und interessiert sein. Ausserdem muss die Bereitschaft da sein, täglich Neues zu lernen. Denn auch Stefan Bryner erlebt die IT im ständigen Wandel und ihm ist es wichtig, jeden Mitarbeiter mitzunehmen. Regelmässige fachliche Weiterbildung ist ein Muss. Doch auch das Menschliche wird bei der OIZ gross geschrieben. Die Mitarbeitenden müssen die Werte der Stadt Zürich leben können.

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Am Puls der Stadt: Informatiker at work.

Die drei Lernenden erleben das Arbeitsklima als locker. Man ist im ständigen Austausch miteinander. In einem öffentlichen Betrieb zu arbeiten, bringe eine gewisse Verantwortung mit sich, meint Alex. Und nachher in der Zeitung von seiner Arbeit zu lesen, sei auch kein schlechtes Gefühl, zum Beispiel von der Einführung von eUmzugZH. Man wisse einfach, wofür man arbeitet. Oder wie Stefan Bryner es ausdrückt: sinnstiftend.