Sind IT-ler immer die Deppen?

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Unser Fundraising-Video hat eine Kommentarflut auf 20 Minuten Online hervorgerufen. In einem Gastbeitrag auf Inside-IT habe ich die Kommentare analysiert. Untenstehend der Text, der auf Inside-IT veröffentlicht wurde.

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Inside-it.ch hat sehr zu Recht auf die Kommentarflut hingewiesen, den ein Beitrag über das Fundraising-Video von IT-dreamjobs.ch in der Zeitung 20 Minuten ausgelöst hat, und stellt der Branche in diesem Zusammenhang kritische Fragen. „Artikel über IT-Fachkräftemangel lösen immer viele negative Kommentare von arbeitslosen Informatikern aus. Das gehört einfach dazu.“ Dies oder ähnliches höre ich des öftern von Branchenkollegen. Ich wollte es genauer wissen, habe die Kommentare ausgewertet und dabei ein differenzierteres Bild erhalten.

„365T/J 7×24 Std“

Die zwei beliebtesten Kommentare – einer davon unter dem Titel „IT-ler sind immer die Deppen“ – haben die Work-Life-Balance zum Thema. Dies ist ein drängendes Problem, gerade in der Informatik. Sicher kann jeder, der in einem grossen Projekt arbeitet, ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, wenn sich die Anforderungen dauernd ändern. Wenn die Projektleiter nicht genügend umsichtig planen, leiden diejenigen darunter, die die Änderungen unter Zeitdruck umsetzen müssen. Der Branchenverband Swico hat diese Herausforderung kürzlich beim Namen genannt. (Klick öffnet Pdf. Die relevanten Abschnitte sind 2.6 und 2.7)

Eine zentrale Herausforderung also für das Management – nicht nur in IT-Firmen, sondern überall, wo grössere IT-Projekte realisiert werden! Dennoch sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass der steigende Arbeits- und Kostendruck nicht auf die Informatik beschränkt ist, sondern in praktisch allen Arbeitsgebieten und Branchen Einzug gehalten hat.

„Diplom Diplom…“

Es stimmt, wir haben ein strukturelles Problem in der Schweiz mit über 40-jährigen Quereinsteigern in der Informatik. Die betroffenen Unternehmen (das dürften viele sein, die eine grosse IT-Abteilung haben) sind hier sehr stark in der Pflicht, mit entsprechenden Weiterbildungen und Umschulungen für die Marktfähigkeit ihrer Leute zu sorgen. (Es gibt übrigens auch durchaus viele, die das bereits heute machen oder zu machen versuchen.)

Es wurde in rund 30 Kommentaren darauf hingewiesen, dass ständige Weiterbildung in der IT elementar ist. Dass man ein sehr gutes Zeugnis braucht, um eine Informatiklehre oder ein Informatikstudium zu machen. Den 11 Personen, die Mühe bekundeten, einen Job zu finden, stehen 10 gegenüber, die das Gegenteil erzählten. Und in 30 Kommentaren wird gesagt, dass der Informatikberuf gern ausgeübt wird.

Was in den Kommentaren fehlt

Bei allen kritischen (und positiven) Tönen fehlen in den Kommentaren wichtige Aspekte. Sie sind auch sonst kaum Thema der öffentlichen Diskussion.

Zum Beispiel:

…dass Informatikunternehmen zu den attraktivsten Arbeitgebern der Schweiz gehören. Ein paar Fakten dazu: Da ist nicht nur Google (Sieger „Great Place to Work“ 2013, vor Cisco und Microsoft), sondern auch die Softwaredienstleister Ergon, Netcetera und bbv Software, die in den letzten drei Jahren mit dem 1., 2. und 8. Platz beim Swiss Arbeitgeber Award abschlossen, Innovation Process Technology (IPT), die zum zweiten Mal in Folge bester Arbeitgeber gemäss Kununu über alle Branchen geworden sind, Liip, die letztes Jahr den KMU-Preis der Zürcher Kantonalbank für nachhaltige Unternehmen gewonnen haben – und viele andere Firmen, die in den letzten Jahren unter den Top Tens verschiedener branchenübergreifender Arbeitgeber-Rankings vertreten waren.

…dass die ETH Zürich insgesamt, aber speziell im Bereich Informatik, zu den zehn besten Hochschulen der Welt gehört. Und die am besten bewertete Hochschule im nicht-englischsprachigen Raum überhaupt ist.

…dass wir, gerade in der Informatik, in der Schweiz eine lebendige Start-up-Szene haben. Aus ehemaligen Start-ups oder Spin-offs werden manchmal international erfolgreiche Schweizer Firmen, die zur Wertschöpfung unseres Landes beitragen. (Die Informatik ist die fünftgrösste Schweizer Wirtschaftsbranche und trägt rund 5 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei.) Dazu gehören z.B. Liberovision, Doodle, Wuala, Dacuda, Kooaba, Netbreeze…  Hier eine Übersicht über ICT-Spin-offs der ETH Zürich.

…dass in vielen Grossunternehmen die Altersstruktur in den Informatikabteilungen so ist, dass es in fünf bis zehn Jahren zu einer Pensionierungswelle kommt und sich darum ein grosser Fachkräftemangel am Horizont abzeichnet.

Aus all diesen Gründen gibt es – und braucht es – IT-dreamjobs.

Annette Kielholz
Projektleiterin IT-dreamjobs

Ein Gedanke zu „Sind IT-ler immer die Deppen?

  1. Sinou

    Schade, ja. Die Webseite wird noch eine ganze Weile existieren. Vielleicht wird die sogar noch schf6ner, wenn ich im Wirtschaftsinformatikstudium weietr bin Mal schauen.

    Antworten

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