Eine Woche Informatik schnuppern an der ETH

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Beim Blick auf den Stundenplan sticht als Erstes die Vielfältigkeit der Informatikwoche ins Auge. Programmieren mit Java, Besuche bei grossen IT-Firmen in Zürich, ein Rundgang durch die ETH, Vorträge vom Bachelorstudenten bis zum Professor, sowie Essen kosten in verschiedenen Kantinen.

Wie lange braucht man eigentlich, bis man sich an der ETH mit ihren verschiedenen Gebäuden und Standorten zurechtfindet? Vor allem das Hauptgebäude kommt einigen wie ein endloses Labyrinth vor, doch mit Hilfe der Informatikstudenten, die uns den Campus zeigten, fanden wir den Weg hinaus ohne Schwierigkeiten.

Gespannt waren alle auf das erste selbständige Programmieren mit Java, womit sich die meisten Schülerinnen zum ersten Malbeschäftigten. Trotz dem grossen Respekt, die viele dieser Aufgabe entgegenbrachten, schienen alle mit den Übungen zurechtzukommen – auch jene, die gar keine Vorkenntnisse hatten. Dies ist wohl der Beweis dafür, dass Programmieren und Informatik erlernbar sind – vor allem mit Hilfe der motivierten (sowie motivierenden) Studenten, die uns stets mit Rat und Tat zur Seite standen.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag „Karriere in Computer Graphics“ von Prof. Olga Sorkine.  Sie berichtete über ihre spannende Laufbahn mit Aufenthalten in den verschiedensten Ecken der Welt und eine Methode , die sie im Laufe ihres Studiums und ihrer Forschung entwickelte und laufend weiterentwickelte, anhand derer 3D-Animationen verändert werden können. (Videos)
Ausserdem zeigte sie uns, wie sich auf Photoshop ganz leicht eine eigene gezeichnete Figur verformen und animieren lässt, was ich zu Hause gleich ausprobieren musste!

 

 

Auf allgemeine Begeisterung stiess der Besuch bei Google. Als wir morgens am Standort im Hürlimann-Areal ankamen, konnten wir als erstes am Gourmet-Frühstücksbuffet zuschlagen. In den Frühstücksraum gelangt man wahlweise übrigens auch durch eine Rutschbahn. In Gruppen gingen wir durch verschiedene Büros, Chillout-Zonen und Miniküchen. Jedes Stockwerk hat ein Thema, das in der Gestaltung und Einrichtung umgesetzt wird. Vom Dschungelraum mit versteckten Sitznischen zum Arbeiten, bis zum Entspannungsraum mit Aquarien an den Wänden und einer Badewanne zum Reinlegen, alten Sesselliftkabinen oder farbigen Gebilden aus Holz, die wie übergrosse Eier aussehen und in denen man ungestört Telefonieren kann, wurde uns alles gezeigt.

Im Anschluss hielten zwei Mitarbeiter Vorträge über aktuelle Projekte, an denen sie jeweils arbeiteten. Ein junger Mann erklärte uns, worin sich Gmail von anderen Email-Anbietern unterscheidet und zeigte uns einige Besonderheiten auf. Darauf hin wurden uns von einer jungen Frau die neuesten Features von Youtube demonstriert. Im Anschluss darauf erzählten uns drei Frauen, die zuvor das Informatikstudium an der ETH absolviert hatten und nun bei Google arbeiten, von ihrem Arbeitsalltag bei Google oder wie sie zur Informatik kamen. Ungeniert durften wir sie mit Fragen löchern.

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Auch zurück in der ETH konnten wir Fragen rund ums Studium, aber auch die studienfreie Zeit im gemütlichen Rahmen an die Studenten richten, die uns durch die Woche begleiteten. Ehrlich, nicht entmutigend, aber auch nicht kitschig positiv berichteten sie von ihren Erfahrungen. Vom Aufbau der Prüfungen, über Lerntipps, bis hin zu Wohnen und Budget hatten sie stets eine Antwort parat.

 

Als sich an diesem Dienstagabend das Knurren der Bäuche bemerkbar machte, fand der Aufbruch zum Spaghettiplausch statt. Dieser gestaltete sich – zumindest an meinem Tisch – sehr lebendig und es fand ein reger Austausch über verschiedenste Interessen statt.

Den absolut richtigen Nerv traf der Doktorand Martin Seiler mit seinem Vortrag über das Basisjahr. Mit seinen ermutigenden und ehrlichen Erklärungen, wieso auch das für manche furchteinflössende Basisjahr absolut machbar sei, gewann er unser aller Aufmerksamkeit und konnte uns die Angst vor dieser ersten grossen Hürde nehmen. Man solle sich von den Cracks, die mit einem das Studium beginnen, ja nicht einschüchtern lassen. Zu Beginn des Studiums lerne man vor allem die von kaum jemandem benutzte Programmiersprache Eiffel, sodass ziemlich sicher jeder ohne Vorkenntnisse einsteigt. Unsere „Vertrauensstudenten“ hatten uns auch schon bei der Fragerunde ans Herz gelegt: „Übertreibt es nicht mit der Ehrfurcht gegenüber den Grossmäulern, die behaupten, alles schon zu können und voll easy zu finden. Das waren bei uns die, die nach der Prüfung Ende des Basisjahres rausgeflogen sind!“ Lieber solle man sich mit Freunden als Arbeitsgruppe zusammentun und sich selbst klar machen, was man nicht kann und sich bei jemandem, der es verstanden hat, Hilfe holen.

Auch Professor Mattern sorgte mit seinem Vortrag „Computer der Zukunft“ für Staunen. Ein Blick zurück in die historische Entwicklung des Mobiltelefons, welches 1938 erstmals in einem Auto um die Häuser zog, liess schon vermuten, wie schnell die Entwicklung auch in Zukunft weitergehen wird.

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Ein Ausblick in die nächsten Jahre sorgte für beeindruckte, doch auch angsterfüllte Gesichter. Die Möglichkeiten von Innovationen wie Datenbrillen oder faltbaren Bildschirmen sind dicht gefolgt vom Verschwinden der Privatsphäre. Auch muss man sich in Zukunft, so scheint es, keine neuen Fähigkeiten mehr aneignen. Zu jeder Zeit kann man Papa das Bild seiner Datenbrille übertragen, sodass er einem live erklärt, wo man jetzt rumschrauben muss, um den Veloreifen zu wechseln.
Ausserdem erläuterte Herr Mattern das „Internet der Dinge“. Mit einem winzigen Chip versehen kann jedes x-beliebige Gerät mit dem Internet und anderen Geräten kommunizieren, was ungeahnt viele Möglichkeiten bietet. Die Heizung weiss, wann niemand zu Hause ist und spart Energie. Das Badewasser kann man schon vom Smartphone aus auf dem Heimweg einlaufen lassen.

Über die Informatikschnupperwoche für Frauen

Der Bedarf an gut ausgebildeten Informatikern – und vor allem Informatikerinnen – ist längst nicht deckt. Deshalb veranstaltet die ETH für Frauen jedes Jahr ein Schnupperstudium in Informatik. Während einer Woche können sich jungen Frauen dort  genauer über das Studium informieren. Ausserdem werden sie über Möglichkeiten in diversen Gebieten aufgeklärt, die einem ein Informatikstudium an der ETH bietet. (http://www.frauen.inf.ethz.ch/schulis/sstud)

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