Ein Tag in der ZHAW School of Engineering

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Verschlafen mache ich mich – so früh wie sonst nie! – auf den Weg nach Winterthur. Am Bahnhof werde ich abgeholt und zum Technikum geführt, heute die School of Engineering der ZHAW. Auch hier liegt die Hochschule nicht fern vom Bahnhof und ist somit für alle Pendler in kürzester Zeit erreichbar. Dort empfängt mich ein sympathischer, unterhaltsamer Student, der mich durch den abenteuerlichen Tag führen wird. Als Erstes lerne ich die Cafeteria und hauptsächlich den da kaufbaren Kaffee kennen. Ein guter Start in den Tag!

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Anders als in den bisher von mir erkundeten Hochschulen, habe ich hier das Gefühl, dass es ziemlich einfach ist, den Weg zum Vorlesungssaal zu finden. Dort angekommen, staune ich über die Unterhaltung der Studenten am frühen Morgen. Thema Nr. 1 an diesem Donnerstagmorgen ist Speeddating. In einer Klasse voller Männer. Wirklich NUR Männer. Offenbar hat das Departement Gesundheit der ZHAW, das sehr viele Frauen zählt, ein Speeddating für die Studenten organisiert und am „Tech“ reichlich Werbeplakate aufgehängt, damit die potenziellen „Dater“ zahlreich erscheinen. Einige Jungs des Informatikstudiengangs waren dem auch überhaupt nicht abgeneigt und wollten sich bestimmt daran beteiligen.

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Auch sonst sind die Informatikstudenten der ZHAW School of Engineering sehr sozial –sie kaufen zum Beispiel eine Kiste Erdbeeren, die während der Vorlesung durch die Bänke gereicht und grosszügig geteilt wird.

 

Der Unterricht ist sehr interaktiv gestaltet, was die Zeit schnell verfliegen lässt. Am Anfang der Veranstaltung wird von den Studenten kurz zusammengefasst, was in der letzten Stunde behandelt wurde und dann weitergefahren mit dem neuen Thema. Die Atmosphäre im Vorlesungssaal ist sehr entspannt. Die Familiarität wird auch an der ZHAW dadurch verdeutlicht, dass die Studenten alle mit Namen angesprochen werden.

Speziell ist die Angewohnheit eines Studenten, bei jeder Stunde eine Eule an die Wandtafel zu zeichnen, die als Maskottchen gilt. Wie mir gesagt wurde, wird das mittlerweile von allen Seiten akzeptiert.

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In der ersten Vorlesung am Morgen (Betriebssysteme) habe ich vor allem NICHTS verstanden, was mich aber auch nicht wundert, da ich ja keine Informatikerin bin (aber gerne eine wäre). Anschliessend kam Informatikrecht an die Reihe. Anhand von verschiedenen Rechtsklauseln erklärte ein praktizierender Anwalt, welche Regeln es in der Informatik zu befolgen gibt. Wer denkt das sei trockene Materie, hat falsch gedacht. Die Vorlesung war höchst spannend mit den vielen Beispielen, welche der Dozent zur Veranschaulichung wählte.

Danach wollte ich unbedingt das Mensaessen probieren. Wir hatten Glück und konnten uns einen Platz an der Sonne sichern. Die Meinungen über die Vergabe von Gourmetpunkten für die Mensa gehen weit auseinander, ich fand es aber ziemlich gut.

Nach dem Essen führte uns ein kleiner Spaziergang zur Migros, in der wir leckere Stängeli-Glace kauften und es uns gut gehen liessen. Danach setzten wir uns auf eine Bank auf dem Pausenplatz (wie lange ich dieses Wort nicht mehr gehört habe) und plauderten über Hobbies, neuste Entwicklungen in der Technologie, Games, das Studium und vieles mehr.

In der letzten Vorlesung, Algebra 2, setzte ich mich in die hinterste Reihe und ich wurde bereits vorgewarnt, dass dieser Dozent mich bestimmt ansprechen würde. So war es dann auch. Langsam schlenderte er auf mich zu, aber gefragt hat er nichts. Ich erkläre ihm, dass ich nur zu Besuch bin und er meinte nur: „Bedingung ist Ruhe.“ – „Klar.“ – „Vor allem zum Wohle Ihrer Sitznachbarn.“ Für mich als Plappertante, die ihre Dezibel nicht immer unter Kontrolle hat, eine sehr schwierige Aufgabe. Jedoch hat er mich so streng und Respekt verschaffend angesehen, dass ich dasass wie ein Goldfisch im Wasserglas. Bis zur Pause zumindest. Da ich das Ende der Pause verpasst hatte, lachte ich noch, als der Dozent schon begonnen hatte. Uuups. Nach einem warnenden Blick seinerseits war dann wieder klar wo „dr Bartli da Moscht holt.“

Die Vorstellung von Algebra 2 war für mich der Graus. Jedoch musste ich meine Meinung ändern, als die Stunde vorbei war. Diese Stunde nimmt den Ansatz des learning-by-doing sehr ernst und lädt die Studenten dazu ein, viele Übungen zu lösen. Dies bewerten die Studis als durchaus positiv.

Nach dieser letzten Stunde wurde die Diskussion gestartet, ob ein Bier noch drin liegt oder nicht, jedoch entschied sich die Mehrheit dagegen. Einige der Studenten begleiteten mich aber noch im Zug und fuhren ebenfalls nach Zürich, weil sie entweder verabredet waren oder Schuhe kaufen wollten, sich dann aber schliesslich doch für ein Bier entschieden…? Das weiss ich nicht, denn am Bahnhof Stadelhofen trennten sich unsere Wege wieder.

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