Ein Alien tanzt – Informatikwoche an der KS Frauenfeld

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Als ich um halb neun Uhr das Schulzimmer in der KS Frauenfeld betrete, herrscht bereits eine angeregte Stimmung. Die Schüler sind laut und gespannt. „Blender“, das Programm, in welches sie heute eintauchen dürfen, ist eine kostenlose Software, mit der jedoch professionelle Bilder, Filme und Simulationen im Stil von Shrek, Ice Age und Co. animiert oder elektronische Knie zu Übungszwecken für Medizinstudenten simuliert werden können.

Nach einer kurzen Einführung durch den Gastlehrer Igo Schaller von der KS Willisau stürzen sich die Schüler auf das Programm. Blender bietet unbeschränkte Möglichkeiten. Von amateurhaften geometrischen Formen bis hinzu animierten Kurzfilmen lässt sich alles machen. Doch es ist ein sehr komplexes Programm, mit dem ich eher schlecht als recht fertig werde. Ganz im Gegensatz zu meinen Mitstreitern. Sie lernen schnell und schon nach kurzer Zeit erscheinen die ersten Dreidimensionalen Aliens auf den Bildschirmen.

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Mein Alien auf dem Weg in die Dreidimensionalität.

Im Rahmen der Informatikwoche besuchen die Schüler unter anderem die Zeix AG und die ETH Zürich. Ein Angebot, das ich aus meiner Schulzeit nicht kenne und das unbedingt mehr gefördert werden sollte. So erhalten die Schüler nämlich Einblicke in eine praktische und kreative Seite der Informatik. Mit Blender und der 3D-Animation erhält die Informatik einen Alltagsbezug und ganz wichtig: sie wird zur Kunst. Dennoch sind alle Schüler in einem Ergänzungs- oder Schwerpunktfach Informatik. Sie bringen also ein gewisses Vorwissen und Interesse mit. Hier drinnen seien alle ein bisschen PC Freaks sagt ein Schüler und lacht. Obwohl die Informatikwoche Schüler aus mehreren Jahrgängen verbindet, hätten sie Letztens alle zusammen League of Legends gespielt. Ein Junge bringt gar seinem Mitschüler in der Früh ein Headset mit, das er repariert hat. Entsprechend ist auch die Stimmung im Klassenzimmer. Alle helfen sich gegenseitig, bewundern ihre Aliens, die sich mittlerweile auf Mondlandschaften mit Kratern tummeln. Die selbstständige Arbeit wird zwischendurch von Gastlehrer Igo Schaller unterbrochen, um die weiteren Schritte zu demonstrieren. Mit dem ausgeteilten Skript und der Anleitung über eine Website, wäre Blender ohne weitere Hilfe erlernbar. Dennoch bin ich froh über die Unterstützung. Und die Möglichkeit, Fragen stellen zu können. Es passiert nämlich öfters, dass meinem Alien ein Arm mehr wächst.

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Die Schüler der KS Frauenfeld in ihrem Element.

Blender ist ein enorm lernintensives Programm. In kurzer Zeit macht man viele Fortschritte und hat dennoch das Gefühl, nicht einmal an der Oberfläche gekratzt zu haben. Gegen Nachmittag raucht dann auch mein Kopf und ich sehe den Bildschirm vor lauter Funktionen und Flächen nicht mehr. Dennoch bin ich zufrieden mit mir. Meine Alien winkt und schüttelt den Kopf. Doch das ist nichts gegen die wild hüpfenden, schwebenden und tanzenden Aliens auf den anderen Bildschirmen. Sogar eine Kamerafahrt und Glanzeffekte sind dabei. Zum Schluss gibt der Gastlehrer noch einen Ausblick und zeigt, dass mit Blender auch problemlos Feuer, Rauch, Flüssigkeiten oder Fell animiert werden können. Natürlich reicht ein Tag bei weitem nicht, um Blender zu beherrschen. Dennoch erstaunen mich die vielfältigen und fantasievollen Alien-Animationen, die den Raum bevölkern. Wer weiss, vielleicht bringt der Eine oder Andere eines Tages seinen Alien bei Disney Research auf die grosse Leinwand.

„Big Buck Bunny“, ein Kurzfilm der Blender Foundation, zeigt, welche Möglichkeiten diese Programm bietet.

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